Samstag, 20. Juli 2013

Maiko- & Samurai Makeover

In Kyoto kann man etwas sehr Außergewöhnliches erleben, dass nicht nur währenddessen viel Spaß bereitet, sondern auch durch schöne Fotos noch Jahre später Fernweh aufkommen lässt:

Maiko- & Samuraimakeover


Von einem Samurai hat wahrscheinlich jeder gehört. Eine Maiko ist eine Trainingsgeisha und in dieser Rolle auch in der Kleidung zu erkennen. Sie ist opulenter geschmückt, hat buntere Kimonos an und einen langen, hinten herabhängenden Obi (der "Gürtel" des Kimonos), als eine Geisha (oder auch Geiko).

In Kyoto gibt es Fotostudios, die einen in  diverse, typisch japanische Rollen verwandeln. Mein Mann und ich haben uns für die Maiko und den Samurai entschieden. Ich dachte vor Beginn, dass das nun ein richtiger Tourinachmittag wird und das Ganze vielleicht einfach auf Westler ausgerichtet ist, die sonst keine Gelegenheit bekommen mal in einen Kimono zu schlüpfen. Dem war ganz und gar nicht so. In dem Gebäude wimmelte es von kleinen japanischen Frauengrüppchen, die zusammen diese Erinnerungsfotos machen wollten. Kein einziger Ausländer in Sicht. 

Da die Verwandlung in eine Maiko über eine Stunde dauert, wurde mein Mann nochmal auf einen Spaziergang geschickt. Seine Verwandlung dauerte 10 Minuten. ^.^

Im Gebäude selbst war mal wieder stricktes Kameraverbot, aber es gibt ja das Internet (weiter unten Videos). Unser Studio war mitten in Gion, dem traditionellen Viertel Kyotos. Wunderschön gelegen in einer kleinen Einkaufsstraße. Innen war alles sehr schick eingerichtet und die Männer hatten sogar einen Wartebereich, wo ein RIESIGER Fernseher gerade James Bond zeigte. 

Ich durfte dann erst einmal einen weißen, dünnen Kimono aniehen, der quasi die Unterwäsche war. Dazu weiße Tabisocken, die man danach auch mitnehmen durfte.  Jeder hatte ein Schließfach und als ich mich umzog, waren gerade zwei japanische Damen dabei sich das weiße Makeup abzuwaschen. Es sah hochkompliziert aus und ich versuchte lieber an die schönen Kanzashi zu denken (die prachtvollen Haarklammern).

Fertig im Nachthemd ging es eine Etage tiefer zum Schminken. Haarnetz auf und Kimono schön weit runter gezogen und los ging es! Mit einem Pinsel landete immer mehr dicke weiße Farbe auf meinem Gesicht, Dekolleté und Nacken. Bis in meine Nasenlöcher und auf meine Lippen wurde sie verteilt, was wirklich nicht so angenehm war. Danach wurde alles abgepudert. Die Lippen klein und knallrot, die Augen leicht rosarot und schwarz. Sie fragten mich tatsächlich, ob ich falsche Wimpern möchte. Das habe ich dankend abgelehnt. Japanerinnen tragen sehr häufig falsche Wimpern, da sie selbst von Natur aus eher wenig und kurze haben. Da ich sowieso schon sehr lange Wimpern habe, habe ich es gelassen, nicht dass ich später wie eine Maiko mit Dollhousewimpern aussehe...


Nach dem Schminken ab zur Perückenanprobe. Die Teile sind sauschwer und sehr hart. Innen waren Metallstreben, die sie in Form halten! Also wirklich eher ein Helm, als eine Perücke. Ein paar Haarsträhnen von mir wurden schwarz gefärbt und dann am Haaransatz über die Perücke gelegt. So schafften sie einen tollen Übergang! Mit meinem Helm, weißem Makeup und immer noch im Pyjama ging es zur Kimonoauswahl. Etliche Kimonos standen zur Auswahl und ich war überfordert. Ich ließ mich kurzerhand beraten und war dann mit der Auswahl auch sehr zufrieden.

Mein Kimono und ich wanderten dann wieder die Treppen hoch und landeten in einem großen Tatamiraum. Dem Ankleidezimmer. Hier wurden gerade zwei wild kichernde japanische Mädchen ausgewickelt. Sie stöhnten und waren sehr glücklich, als sie wieder im Pyjama da standen. Wieso sollte ich schnell erfahren. 

Ein Untergewand, ein extra Kragen und dann mein Kimono wurde um mich herum gezurrt. Zwei Damen zurrten was das Zeug hielt und stopften mir Handtücher und etwas, dass erschreckend genauso ausssah wie Damenbinden über meinen Bauch und über meine Brüste. Bloß keine Kurven! Alles muss schön gerade sein. Da hatten sie bei mir einiges zu verstecken... ^.^

Ich hatte schon mehrfach mit meiner Gastmama Kimonotraining gemacht und sie hat auch sehr eng geschnürt (so muss es auch sein), aber das hier war nicht vergleichbar. Ich konnte mich kaum noch bewegen und hechelte nach Luft. Überall waren dünne Stoffbänder die sich um mich herum wickelten. Aber mir gefiel, was sich da im Spiegel entwickelte. Als der Kimono saß kam noch der Obi und eine schöne Kanzashi dazu. Fertig war ich! Und wie fertig! Mit leichtem Schwindel taumelte ich die Treppen runter zum Fotostudio, wo schon mein Samuraimann saß. Sehr entspannt erzählte er mir, dass er sich einfach umgezogen hatte, alles sehr gemütlich sei und natürlich auch wie hübsch ich sei. Wenn der wüsste...

Hier ein Video von einem anderen Maikostudio. Da könnt ihr nochmal einiges sehen:

Los gings zum Fotos machen! Ein Foto zusammen und dann noch getrennt. Im Akkord wurden einem Dinge in die Hand gedrückt, der Körper zurecht gedreht und ZACK, Foto. Ich glaube wir waren in 10 Minuten durch und völlig perplex. Hier ein paar Ergebnisse:





Zum Abschluss durften wir 10 Minuten aus einem Hinterausgang raus. In einer kleinen Straße konnten wir mit unserer eigenen Kamera noch Fotos machen. Auf dem linken Foto sieht man auch nochmal schön die "Brosche" die vorn an meinem Obi festgemacht war: Kirschblüten!!! =D



Andere buchen den kompletten Plan, wo man noch 2 Stunden durch Gion laufen kann. Da das jedes Mal eine riesen Touriveranstaltung ist und alle einen fotografieren wollen war das nichts für uns. Ich glaube ich wäre auch auf halbem Weg in Ohnmacht gefallen. Als nach und nach alles wieder von mir abgelegt wurde fühlte ich mich unbeschreiblich frei und hatte sehr viel Respekt für die Maiko und Geisha, die so eingewickelt auch noch tanzen, musizieren und einfach Anmutig sind. Wahnsinn.

Dann kam das Abschminken. Ich wurde sehr deutlich darauf hingewiesen, dass man das Makeup nicht mit Wasser abwaschen kann, sondern nur mit Babyöl und Papiertüchern abreiben kann. Die folgende halbe Stunde schrubbte ich an mir rum, bis ich ein rosa Monster aus einem Horrorfilm war. Schwarz um die Augen, das komplette Gesicht rosa, weil rot vom Schrubben und weiß, weil die Schminke sooo hartnäckig war. Dieses ganze Öl im Gesicht machte es nicht besser. Als ich endlich die Schminke einigermaßen ab hatte mussten meine Haare ran. In kleinen Waschbecken konnte man sich die Haare waschen (was dringend nötig war). Nicht nur am Kopf festgepappt, sondern eben auch teilweise mit schwarzer Farbe. Ich wusch und wusch und nach dem dritten Mal war die schwarze Farbe einigermaßen ab. Schnell fertig machen, denn mein Mann wartete und wartete. Jetzt wusste ich auch wieso der riesige Ferseher da war...

Die Fotos bekamen wir direkt in die Hand gedrückt und wir verließen glücklich (leicht ölig mit einem Rest schwarzer Farbe im Haar) diesen wundersamen Ort. Ein Erlebnis, dass ich nie vergessen werde.

Eure Kirschblütenfee

Samstag, 6. Juli 2013

Durstig durch Japan: Ramune

Und heute auf Wunsch einer Leserin:

Durstig durch Japan: Ramune

Was ist Ramune?
Blöd gesagt: Eine Limo mit Murmel.

Genauer: Ramune wurde früher (wirklich FRÜHER) in Japan von Kindern gern getrunken. Eine Limonade eben. Aber eine Besonderheit macht diese Limo zum Clou: Um ans Trinken zu kommen, muss eine Glasmurmel in die Flasche gedrückt werden, um nach dem Trinken wieder raus geangelt zu werden. Es wird weiter unten deutlicher... ;-)


Ja, auch ich hatte vor meiner Japanreise diesen uminösen Videos gesehen, in denen überambitonierte Menschen einem erklären, wie man eine Ramuneflasche öffnet.


Ich habe mich dann immer gefragt, ob nicht jedes Produkt so konzipiert sein sollte, dass man es ohne Erklärung öffnen kann.

In Japan selbst habe ich über zwei Monate Ramune vergeblich gesucht. Nirgends wurde diese uminöse Murmellimo verkauft. Meine Gastmama meinte auch, dass Ramune früher von Kindern getrunken wurde und heute eigentlich gar nicht mehr. Das war der richtige Tipp! In Japan gibt es manchmal in Supermärkten Aktionsflächen mit Spielzeug und Naschereien "von früher" und da gab es auch Ramune! Später fand ich es auch in Kappabashi, dem Küchenbedarfsviertel von Tokyo (ein MUSS bei jeder Reise!).

Zuhause also direkt ausprobiert, wie kompliziert die Flaschenöffnung wirklich ist. Was soll ich sagen? Das würde wirklich Jeder hinbekommen!!! Es ist bebildert oben auf der Flasche erklärt. Zudem ist es ganz eindeutig: Plastikpenöbel oben drauf drücken, fertig.


Leider wusste ich nicht, dass Ramune extrem Kohlensäurehaltig ist (JA, es ist Limo! Aber in Japan gibt es einige Limos, die schmecken, als ob man sie ewig offen rumstehen lassen hat...). Und schon war unser ganzer Esstisch voller klebriger Ramune. Top, Leonie.

Aber: Die kleine durchsichtige Murmel schaukelte tatsächlich im Flaschenhals umher und nachdem ich den Rest Limo getrunken hatte holte ich sie mir direkt raus und habe nun eine kleine Ramune-Gedächtnismurmel.







Und das Wichtigste zum Schluss: Wie schmeckt Ramune?
Nur ein Wort: Süß!
Es schmeckt nicht nach Zitrone oder irgendetwas Anderem, es schmeckt einfach nur süß.
Hat mich nicht wirklich umgehauen...

Mein Fazit:
Die legendäre Ramune ist weder ein Logikrätsel bei der Öffnung, noch ein Geschmackserlebnis. Schade...

Eure Kirschblütenfee