Dienstag, 30. April 2013

Hungrig durch Japan: Shabu-Shabu

Mein Gastbruder hatte Geburtstag und nachdem wir superleckere Kuchenteile gegessen hatten ging es in ein Restaurant. Und was für eins! Ich war glücklicherweise mit meiner Kamera bewaffnet und muss es euch nun unbedingt vorstellen:

Hungrig durch Japan: Shabu-Shabu


Was ist Shabu-Shabu??? Was ganz Tolles! =D
Man bekommt hauchdünnes Fleisch (in unserem Fall sogar "Made in Japan", was hier immer gaaaaanz wichtig ist) und dazu Gemüse und andere Leckereien. Auf dem Tisch steht ein Topf mit Wasser oder Brühe. Die bringt man zum Kochen und packt nach und nach die Dinge rein die man toll findet. Wunderbar oder?

Man zahlt einen Festpreis und kann so viel Essen wie man will. Preis richtet sich nach dem Fleisch, das man will. Made in Japan ist natürlich am teuersten. Knapp 3000Yen p.P. (ca. 27€). Das ist ist aber noch ein sehr günstiges Shabu Shabu Restaurant. Man zahlt sonst auch gern mal das Doppelte...

Das Geräusch beim Kochen heißt "shabu shabu", Japaner lieben Lautmalereien! Wenn ich aufgeregt bin, bin ich waku waku oder auch doki doki (jaaaa, wie der Shop!), das bezeichnet das Herzschlagen. Türklopfen ist ton ton und wenn man etwas knuspriges isst, dann macht es pari pari. Muschipan, luftig locker, ist dagegen fuwa fuwa. Ich glaube da kann ich auch noch einen eigenen Blogeintrag schreiben. XD

Zurück zum Thema:
Es gab eine tolle Gemüsebar, wo man sich alles Mögliche holen konnte. Genau mein Ding!  ^-^



Und hier das hauchdünne Fleisch.



Und dann ab in den Topf damit!


LECKER! Die gekochten Dinge dippt man dann noch in eine Sauce, Erdnuss oder undefinierbar (Sojasauce ist definitiv mit drin). Wunderbar! Und das Fleisch muss nur ganz kurz ins heiße Wasser/Brühe und ist fertig. Mein Gastbruder Yusuke macht das hier mal galant vor:


Wer dann noch Abwechslung braucht (undenkbar), für den gibt es auch noch eine Ecke, wo man sich Ramen und Udon, sowie Reis holen kann.


Das Ganze hatte ein Zeitlimit von 90 Minuten. Aber nach einer Stunde ging bei mir ohnehin nichts mehr. Ich hatte einmal alle Gemüsesorten durchprobiert, die Leckersten mehrmals und dazu jede Fleischsorte probiert. Mein Kleid wurde langsam eng. Ich konnte es nicht lassen und habe mir DANN noch ein Eis gemacht. Es musste einfach sein.^-^


Das weiße Bällchen ist übrigens Mochi. =)

Wir waren alle super satt und super glücklich. Wir kugelten ins Auto und von dort aus in unsere Wohnung im 13. Stock. Dort ging dann erstmal eine Stunde gar nichts mehr. Einfach rumliegen. Nachdem ich das Foto geschossen habe lag ich gaanz ganz schnell daneben. ;-)

Shabu Shabu ist wirklich eine tolle Sache, jeder hat was was er mag und an sich ist die ganze Angelegenheit ja relativ gesund (wenn man sich so überfrisst wie ich...). Mein Lieblingsinhalt: Tofu, diese schwarzen Pilze (s.o.) und eigentlich fast alle Gemüsesorten. Auch die Glasnudekn waren toll. Nur der Mais war irgendwie dämlich, da man ihn einfach nicht mehr aus dem Topf gefischt bekommt...
Ein Spaß für die ganze Familie, lecker und relativ gesund, was will man mehr? Definitiv empfehlenswert! 

Wäre Shabu Shabu auch etwas für dich? Wenn ja, was würdest du in die Brühe werfen?
Eure Kirschblütenfee

P.S.: Ich habe gerade gesehen, dass dies mein 50er Post ist! YAY! Hätte nie gedacht, dass es schon sooo viele Blogeinträge sind ^-^

Sonntag, 28. April 2013

Totoro: Sanpo Lied

Heute etwas ganz Besonderes! Mein Gastbruder Tatsuro hat mir eine große Überraschung gemacht. Er hat den ganzen Tag an etwas gesessen und ich dufte nicht gucken. Eben habe ich nun mein Geschenk bekommen:

Totoro: Sanpo Lied


Also den Text dafür. Meine Gastmama hat dieses Lied beim wandern gesungen und ich fand es einfach wunderschön. Nur habe ich den Text nie auf die Reihe bekommen. Nun habe ich den Liedtext mit Bildern, damit ich es auch ja verstehe. =D Sooooo süß! ^-^

Hier das Lied im Original:


Und wer nun die einfachen Hiragana Zeichen lesen kann (Tatsuro hat es mir extra in der Kinderversion (also die Zeichen) aufgeschrieben), kann sich nun über den Songtext freuen! Die anderen einfach über die süßen Bilder. =D


Eure Kirschblütenfee

Freitag, 26. April 2013

KirschblütenWunderland: Materialexperimente

Seit über zwei Monaten bin ich nun in Japan und habe seit dem nie mein Ziel aus den Augen verloren: So viel Inspiration für das KirschblütenWunderland wie möglich. Und tatsächlich erlebe ich hier eine Flut von Ideen. Damit aus den Ideen später hochwertige Produkte werden muss viel ausprobiert werden. Und so schreibe ich heute etwas zu :

KirschblütenWunderland: Materialexperimente

In Japan gibt es VIELE, VIELE tolle Materialien für das Modellieren.Wirklich alles Denkbare ist erwerblich. Da ich euch etwas Besonderes bieten möchte hieß es also: Ausprobieren, was etwas taugt. =)

Dabei sind nicht immer hübsche Dinge herausgekommen, aber definitiv viele Erkenntnisse.

So ziemlich das Erste, was ich gesehen habe war die Sahne aus der Flasche. In diversen Farben. Gut z.B. für Softeis. Ich kaufte mir also ein paar, dazu ein Waffelhörnchen aus Gummi und kleine Dekoteile, ebenfalls fertig vorproduziert:







Hier ginge es eben nicht darum, dass am Ende etwas Tolles bei rum kommt, sondern zu sehen wie sich das Material verhält, z.B. wenn man zwei verschiedene Sahnen aufeinander hat. Verlaufen sie? Sind sie im trockenen Zustand verbunden? Wird die Soße richtig hart? usw....
Ergebnis: Kein Verlaufen, alles hält super. Die Fertigteile allerdings stören mich gewaltig, denn die Optik und Haptik schreit gerade nach "Made in China". Da ich Fertigteile nur nutzen möchte, wenn ich selbst nichts vergleichbares herstellen kann (z.b. hübsche Gläser/Glasbecher in Mini aus Acryl) scheiden diese hier also aus. Die Sahne werde ich sicherlich verwenden und die Soße auch.

Dann sieht man hier überall diese fuwafuwa Knete. Fuwafuwa bedeutet luftig, superweich. Beim Auspacken der Knete überkam mich erstmal kurz Brechreiz: Sie stank total nach Essig. Nachdem sich meine Nase dran gewöhnt hatte formte ich eine Eiskugel.


Das Material lässt sich gut verarbeiten, aber stinkt vor der Trocknung. Wenn das Endergebnis stimmen würde, ok, aber das tut es leider nicht. Die fertig getrocknete Eiskugel (satte 4 Tage hat das Trocknen gedauert) ist wunderbar leicht, das für die Proliste. Auch die samtige Optik hat was und könnte mit Lack noch glänzend gemacht werden. Allerdings ist diese fuwafuwa Masse extrem empfindlich. Ihr könnt es euch vorstellen wie trockenes Toastbrot, bei dem viele kleine Brösel runterrieseln, wenn man nicht gerade mit Samthandschuhen ran geht. Leider ein absolutes Ausscheidekriterien für meinen Schmuck. Nichts ist schlimmer, als wenn jemand seine Lieblingsohrringe trägt, mit der Hand ran geht und auf einmal einen Teil davon in der Hand hält. Also nix mit fuwafuwa.

Eine weitere Materialentdeckung versetzte mich in Freude: Ich hatte Puffy entdeckt. Eine 2 Komponenten Flüssigkeit, die bei Vermischung richtig aufgeht. Man kann den Mix also in Muffinförmchen gießen und der "Teig" geht tatsächlich hoch und so fluffig ist das Ganze dann auch! Und bleibt auch so. Heißt: Man kann auf den fertigen Muffin drücken und er geht mit und auch wieder zurück. Der Haken: Das Zeug ist ziemlich teuer! Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich das wirklich brauche. Was meint ihr?

Bei Tokyu Hands fand ich dann Sahneknete in der Tube. Klingt praktisch und bezahlbar war es auch. Also ab nach Hause und etwas damit anstellen! Ich entschied mich eine Box aus dem 100Yen Shop zu verschönern und wollte mit der Tube einmal am Rand entlang und dabei ein Muster produzieren. Leichter gesagt, als getan! Die Masse ist extrem dick und zähflüssig, man muss also stark drücken. Und dementsprechend verhält es sich auch auf der Box. Die Entstehung von den seitlichen Wellenlinien war extrem schwierig und dadurch sieht es nicht wirklich schön aus. Sahne in die Mitte, Schokosoße genutzt und eine Erdbeere von ihrem Handystrap gelöst und als Deko verwendet.





Das Endergebnis finde ich nicht supertoll, aber auch nicht schlecht. Einfach Luft nach oben... =)
Es stinkt nicht und die Masse trocknet an der Luft. Leider trocknet sie nicht so, wie sie sollte. Sie schrumpft ein wenig zusammen und so waren nach ein paar Tagen kleine Lücken zwischen den einzelnen Sahneelementen und generell sah die Sahne nicht mehr so voll, sondern etwas abgemergelt aus. Schade!

Mein Gewinner hingegen war Resin. Das werde ich definitiv in Zukunft nutzen. In Ermangelung an Farbe habe ich einfach mal etwas Schlichtes gegossen. Mit Farbe und Deko sind da tolle Sachen drin, v.a. für Getränke! =D



Das größte Materialexperiment hatte ich allerdings bei einem Workshop für Samples, also die Plastikessen, die hier überall vor Restaurants stehen. Darüber schreibe ich aber einen extre Blog! =)

Generell habe ich natürlich schon viele konkrete Ideen und auch noch andere Materialien, die ich schon eingekauft habe. Ich versteht sicherlich, dass ich diese hier nicht unbedingt breittreten möchte, bevor sie nicht im Shop sind. Freut euch einfach auf viele neue Dinge und das Beste vom alten KirschblütenWunderland!

Hast du Wünsche für Accessoires und Schmuck? Welches Material magst du am Liebsten? Welchen Stil findest du toll? 

Ich freue mich über eure Anregungen und wer weiß: Vielleicht gibt es dann bald DEIN Traumaccessoire im KirschblütenWunderland!

Eure Kirschblütenfee

Mittwoch, 24. April 2013

Kleidung in Japan

Da ich immer wieder in Foren, bei YouTube etc. ganz bestimmte Äußerungen lese möchte ich hiermit einen ausführlichen Beitrag zu folgendem Thema erstellen:

Kleidung in Japan

"Die Japaner sind viel cooler und trauen sich was mit ihrer Kleidung!"
"Alle japanischen Mädchen laufen in rosa Kleidchen rum!"
"In Japan ist es noch normal traditionelle Kleidung, wie z.B. Kimonos, zu tragen!"
"Japanische Teenager tragen geile Cosplay Kostüme!"
"Ich will nach Japan, denn da kann man so rumlaufen wie man will!"

All diese Aussagen sind mehr oder weniger falsch! Wieso wird im Folgenden deutlich. 

Alle Personen, die ich hier mit Gesicht abbilde haben extra für euch posiert, bzw. wissen, dass ihr Foto hier gezeigt wird. Dies ist mir sehr wichtig. Versteht deshalb bitte, wenn ich manche Fotos zensiere. Nicht jeder mag sich im Internet wieder finden...

Erstmal zur Arbeitskleidung:
Wenn man morgens zur Arbeit fährt oder auch Nachmittags unterwegs ist sieht man eine Flut von schwarz. Nein, nicht die Haare (ok, die auch...), sondern die Anzüge und Kostüme. Alle, die in einer Firma angestellt sind, egal ob Kundenkontakt oder nicht, tragen diese Arbeitsuniform. Nichts mit casual friday... 

 
Schlafen oder daddeln, das sind die Optionen für die lange Fahrt zur Arbeit und zurück...

Das Standardkostüm für die Firmenangestellte, also meist unverheiratet...

Auch diejenigen, die nicht in einer Firma arbeiten (meist im Einzelhandel tätig) tragen meist Uniform. Ob Supermarktuniform, Postuniform, Bauhausuniform, Restaurantuniform, usw. ...
Und natürlich tragen die Kindergarten- und Schulkinder auch Uniformen. Jede Schule hat ihren eigenen Stil.


Ihr seht: Es geht um Zugehörigkeiten. Diese Uniformen zeigen ganz klar zu wem man gehört. Denn da ist man stolz drauf. Die Japaner denken nicht auf ein Individuum bezogen, sondern immer in Gruppen. Man startet in der Familiengruppe, dann kommt die Kindergartengruppe, später die Schulklasse dazu. Dann definiert man sich über die Uni, an die man geht und  letztendlich ist es dann die Firma, die als zweite Familie angesehen wird. Deshalb ist man stolz eine Firmenuniform zu tragen. Und wenn es nur der Anzug mit farblich zur Firma passender Krawatte ist.

Da der Durchschnittsjapaner (wohlgemerkt Fokus auf dem männlichen Geschlecht!) die meiste Zeit auf der Arbeit verbringt ist seine Arbeitskleidung seine Alltagskleidung und man sieht die Arbeitskleidung am Häufigsten auf der Straße.

Wieso habe ich nun einen Fokus auf die Männer gelegt?
In Japan ist es immer noch so, auch wenn sich dies laaaaaangsam ändert, dass die Frau Zuhause bleibt und sich um den Haushalt und die Kinder kümmert und der Mann arbeiten geht. Die Frauen haben dabei irgendwie auch eine Art Hausfrauenstil entwickelt, also quasi auch eine Uniform. Bloß nicht zu schick, gemütlich und immer mit einer Schürze an, damit es bloß nicht so aussieht, als ob man es wagen würde mal 5 Minuten Pause zu machen. Das Erste was meine Gastmama macht, wenn sie von der Arbeit nach Hause kommt: Sie zieht ihre Schürze an und fängt an Hausarbeiten zu erledigen. Wenn die Männer nach Hause kommen wird schnell der Anzug ausgezogen und in die schlabberigsten und gemütlichsten Klamotten geschlüpft, die auffindbar sind. So wird gleich deutlich: Zuhause ist Wohlfühl- und Entspannungszone!   

Das bringt mich zur Freizeitkleidung:
Diese ist nicht etwa "voll verrückt" oder "total individuell", sondern einfach einfach. Heißt: Schlichte, dezente und fast spießige Kleidung dominiert das Straßenbild. Ich spreche hier gerade natürlich von Japan, nicht von Tokyo oder gar Shibuya, das ist ein Unterschied und kommt gleich!!! Die ganz normalen Japaner, ob jung oder alt, mögen es schlicht, aber gepflegt. Alle sehen immer so aus, als ob sie frisch vom Frisör kommen oder gerade shoppen waren. Die Kleidung ist neu, schick aber auf keinen Fall auffällig. Dezent ist das Schlagwort  

Einzig eins ist sehr auffällig: Die jungen Frauen lieben es kurze Röcke anzuziehen. Und damit meine ich WIRKLICH kurze Röcke. Ich fühle mich in der Bahn manchmal wie beim Frauenarzt, meine Güte! Die Schulmädchen üben dies schon mit ihrer Schuluniform, da wird der knielange Rock nämlich einfach hochgekrempelt (s. oben). Dekolleté wird eher gar nicht gezeigt, vielleicht liegt es daran, dass dort selten viel zu präsentieren ist. Die dünnen, langen (Japaner werden durch umgestellte Ernährung langsam größer!) Beine werden hingegen gern zur Schau gestellt.







Natürlich gibt es auch im Freizeitbereich Uniformen, z.B. Baseballklamotten, Bogenschießoutfit oder gar der klassische Kimono. 

Auf dem Weg zum Bogenschießen...
 Wieso Kimono als Uniform? Ganz einfach: Der Kimono wird kaum noch getragen. Einmal ist er und das ganze Zubehör extrem teuer, dann muss man Unterricht nehmen wie man ihn korrekt anlegt und verschiedene Techniken lernen und so ist das Thema sehr komplex. Allerdings sieht man immer mal wieder ältere Damen im Kimono in der Bahn sitzen. Sie tragen ihren Kimono aber keinesfalls, weil sie morgens Lust dazu hatten, sondern weil sie auf dem Weg zum Unterricht sind. Entweder Kimonounterricht oder Teezeremonieunterricht oder auch Kotounterricht (Video eines Kotokonzerts). Diese traditionellen Hobbies werden meist im Kimono durchgeführt. Da aber kaum junge Japanerinnen diese Künste lernen gibt es im Freizeitbereich kaum Anlässe einen Kimono zu tragen. Anders verhält es sich mit Yukatas. Die schlichtere Variante wird gern bei Sommerfesten oder ähnlichem getragen, auch von jungen Japanerinnen. 

Kein Alltagsbild!


Kleidung für besondere Anlässe:
Ich habe eben geschrieben, dass Kimono im Freizeitbereich selten getragen werden. Natürlich verhält sich dies ganz anders, wenn es besondere Anlässe gibt.  

Zu Hochzeiten tragen die weiblichen Gäste z.B. häufig schwarze Kimonos mit wunderschönen Bildern unten am Beinende. Wie ich in meinem Blogeintrag zu japanischen Hochzeiten schon beschrieben habe werden hier meist zwei Outfits für das Brautpaar gekauft: Ein traditionelles und ein modern/westliches. Hier könnt ihr die Bilder dazu ansehen.

Ein weiterer Anlass sich richtig aufzudonnern ist die Abschlussfeier der Oberschule oder später der Uni. Vor einer Weile war die Zeit so weit und überall sah man junge Mädchen in Hakama. Eine junge Dame faszinierte mich besonders, nicht nur wegen des schönen Hakama, sondern auch bzgl. der Kombi mit ihren Schuhen. Sie war so lieb für ein Foto für euch zu posieren:

 
 Aber wiegesagt dies sind Kleidungen für besondere Anlässe und dementsprechend selten sieht man sie. Übrigens werden die Hakama oder auch Kimono für Hochzeiten meist geliehen und nicht gekauft. Dies wäre einfach zu teuer für einen Tag.

Und nun, dass worauf ihr gewartet habt: Tokyofashion
Die Kleidung in Tokyo, speziell in Shibuya und Harajuku, ist extrem unterschiedlich und facettenreich. Man sieht Menschen mit Kleidung, die man in Deutschland nie sehen würde. Als Touri ist man baff und nimmt mit: Die Japaner trauen sich richtig was und leben ihre Kreativität aus. Die Gesellschaft scheint diese kreative Mode absolut zu tolerieren und gar zu Unterstützen (durch diverse Shops, etc.). Und da fängt das Problem an: Dies ist einfach ein kulturelles Missverständnis unsererseits. Wir verstehen einen Punkt daran nicht: Die Jungs und Mädels, die in Shibuya und Harajuku so völlig anders herumlaufen sehen in ihrem Alltag genauso aus wie alle anderen

Ihr Modestil hat nur Platz in einer begrenzten Zeit (meist ein Tag am Wochenende), einem begrenzten Ort (Raum Shibuya/Harajuku) und in einem bestimmten sozialen Umfeld (mit Freunden, die sich genauso anziehen). 

Ihr seht: Hier geht es nicht darum seinen Alltag möglichst kreativ zu gestalten und dies durch Mode zu transportieren, sondern es geht ganz einfach um ein Ausbrechen aus den gesellschaftlichen Konventionen, die in Japan überall spürbar sind. Es gibt extrem wenige dieser kreativ angezogenen Menschen, die jeden Tag diese Klamotten tragen. Und die, die es gibt haben ihr ganzes Leben diesem Stil verschrieben und arbeiten z.B. in Läden, die diese Mode verkaufen. An einen "normalen" Job würden sie nicht rankommen, denn wer anders ist und sich nicht anpasst ist in Japan sehr schnell Außenseiter und wird gemieden. 

Was macht man also, wenn man auf keinen Fall Ausenseiter sein will? Man bildet Gruppen! Und so ist bei näherer Betrachtung die Mode in Shibuya und Harajuku überhaupt nicht individuell und einzigartig, sondern kann klar in verschiedene Gruppierungen eingeordnet werden, die nochmal zig verschiedene Untergruppierungen haben. Einige werde ich euch nun vorstellen:

Einerseits gibt es die Lolitas. Das sind die Mädchen in rosa Bonbonkleidern, Lockenperücken und großen Augen. Aber auch hier gibts diverse Unterschiede. Es gibt z.B. auch Gothic Lolitas und mir wurde gesagt ich bin eine Classic Lolita. ^-^
Hier ein Paradebeispiel einer Lolita:
http://24.media.tumblr.com/2a51a3e415570aa71a0e15ee2c6f24ac/tumblr_mhgll5kVxT1s4wn8so1_500.jpg
 Dieses nette Mädchen stellte sich auch für mein kleines Fotoprojekt zur Verfügung. Sie kommt aus der Gothicecke:


Dann haben wir noch die punkige Gruppierung. Viel Farbe, viel Neon, immer lässig. So wie diese Gruppe, die dann doch ein wenig schüchtern war. Das linke Mädchen wollte gern ihren Stil zeigen, aber nicht ihr Gesicht zeigen. Das ist üblich in Japan (z.B. im Fernsehen), denn wie schon beschrieben: Diese Mode ist nur für diesen Ort gedacht (und die Haarfarbe wird abends ausgewaschen)... 



Und wem der dunkle Teint der Dame ganz rechts aufgefallen ist: Dies ist tatsächlich etwas Besonderes in Japan, denn normalerweise gilt: Weiß, weiß, weiß, um jeden Preis! Nicht so bei der folgenden Gruppe: Die Gyarus! Kommt vom englischen girl (nur japanisch ausgesprochen) und meint die Damen, die die raren Solarien hier täglich bevölkern, ihre Haare gern blondieren und toupieren und viel Geld in Nagelmodellage stecken. Diejenigen, die besonderen Wert auf die dunkle Haut legen nennt man kurogyarus (kuro:schwarz). Hier mal ein kleines Video dazu:

 
Und eine ganz kleine Minigruppierung (shiori) will genau das Gegenteil, nämlich besonders weiße Haut:


Ihr seht: Es ist ein sehr komplexes Thema. Aber es sollte deutlich geworden sein, dass diese außergewöhnliche und überaus kreative Mode keineswegs Alltag in Japan ist und eher eine Art Performancekunst darstellt. Ich liebe diese Performance sehr und mag es mich einfach abseits zu setzen und all diese kreative Flut zu begutachten.

Achja, eine Aussage von oben ist nicht klargestellt: Die Cosplay Kostüme. Ich habe in meinen 2 1/2 Monaten hier keine einzige Person in einem Cosplay Kostüm außerhalb eines Ladens gesehen!!! Auch nicht in Harajuku oder sonstwo!! Das Klischee, dass hier "voll viele so runlaufen" ist definitiv falsch. Ja, es gibt Läden für die Kostüme. Aber auch hier gilt: Die wenigen, die sich diese kaufen ziehen diese nur an passenden Orten an (z.B. Conventions oder bei großen Treffen von Cosplayern in Tokyo). 

Du verstehst nur Bahnhof? Entschuldige! Cosplay bedeutet ein Kostüm aus einer Animeserie oder einem Manga genauestens nachnähen/teuer einkaufen und dann seinem Helden möglichst ähnlich aussehen.
 
Also NEIN, ihr werdet in Japan keine Sailor Moon im Supermarkt treffen!!! ^-^

Und merken: Japan ist nicht Tokyo, besonders wenn es um Mode geht... ;-)
 

Welchen Modestil würdest du gern mal ausprobieren?

Eure Kirschblütenfee 

Dienstag, 23. April 2013

Mademoiselle Opossums Geheimtipp: 6% dokidoki

Mademoiselle Opossum hat mir neben dem Sweets Paradise noch einen tollen Ort verraten, den sie gern hat:

Mademoiselle Opossums Geheimtipp: 

6% dokidoki


Die schlechte Nachricht vorweg: Man darf in diesem Laden (wie in den meisten) keine Fotos/Videos machen. Aber die Atmosphäre und der Charme des Ladens sind ohnehin so nicht rüberzubringen. Das müsst ihr selbst erleben!  Hier erstmal ein Interview mit dem Designer, der erzählt worum es ihm geht:



Ich finde dieses Video einer Fashionshow bringt ein wenig die 6%dokidoki Stimmung rüber:


Es war in dem Laden wie Weihnachten und Disneyland für mich als 5jährige zusammen!
Ich freute mich über jede neue Entdeckung und die Shopmitarbeiterinnen freuten sich über mich. ^-^
Ich wurde von den beiden umtüdelt und wir unterhielten uns ein wenig über die Accessoires. Sie mochten mein Outfit, insbesondere meinen Schmuck. So sah ich übrigens aus, Thema: "Süße Leckereien!":


Man beachte: Rüschensocken (yay, hier dürfen die auch Erwachsene tragen!), mein neuer Lieblingsrock, meine Schokotasche, mein selbstgemachtes Cookiebarett und am Wichtigsten: Den KirschblütenWunderland Schmuck! Eine Waffelbrosche mit viel Leckereien und meine Schokotortenohrringe.

Genau den fanden die Beiden nämlich auch zum Anbeißen und so kam heraus, dass ich auch eine Schmuckdesignerin bin und ich Deutschland etwas mehr kawaii Stimmung verbreiten möchte. Dies ließ die letzten Hemmungen fallen und wir schnatterten eine Weile (glücklicherweise ist mein Japanisch mittlerweile relativ flüssig). Es war wirklich sehr nett. Am Ende wollte mir eine der beiden dann als Entschädigung, dass ich keine Fotos machen durfte noch ein Andenkenfoto mitgeben. Also posierten wir vor der Eingangstür:


Ich fand erst heute heraus, dass die nette Dame (ihr Name war Vani) das Aushängeschild und Hauptmodel des Labels ist.

Die Kleidung an sich ist nicht unbedingt mein Stil, aber viele Accessoires waren genau meins. Die Glitzerteile machen jedes Outfit zu etwas Besonderem. 

Ich kaufte mir dann nur einen heftig glitzernden Button (hatte nur noch 1000Yen in der Tasche) und ging überglücklich nach Hause. ^-^



Und, ist das eure Mode?

Wenn ihr in Tokyo seid, schaut es euch auf jeden Fall an!
Website des Labels: http://www.dokidoki6.com/ 

Eure Kirschblütenfee

Nachtrag: 
Habe eben herausgefunden, dass der Designer des Labels auch die Requisiten und Outfits des Debutvideos von Kyary Pamyu Pamyu entworfen hat! Für alle, die diesen Farbrausch noch nicht kennen:


Nachtrag 2: 
Ich liege nun wach im Bett, weil ich immer wieder an den Shop denken muss. Und dabei frage ich mich: Was ist an dem Shop so anders, als an den anderen kawaii Shops in Harajuku? Die Antwort wurde ganz plötzlich klar, als ich mich an einen Clip aus dem Shop erinnerte: Zwei fett glitzernde Kanji prangten darauf, Bedeutung: Revolution! Dies ist wohl der Grundgedanke des Designers und diese Botschaft fühlt man im Laden. Dem Designer geht es nicht darum großen Profit zu machen und dick zu expandieren (das hätte er sicherlich schon machen können...), sondern darum ein bestimmtes Gedankengut zu vermitteln. Motto: Es gibt keine Grenzen! Entfalte dich frei! Dies hat gerade in Japan große Bedeutung, denn freie Entfaltung der Persönlichkeit steht hier definitiv nicht auf der Tagesordnung.

Aber auch in Deutschland gibt es diese Grenzen. Gehe ich in meinen Petticoatkleidern durch Osnabrück bekomme ich zig abfällige Blicke und immer wieder kommen Menschen direkt auf mich zu, um zu fragen, weshalb ich denn SO etwas anhabe. Glücklicherweise bin ich ein Hamburger Mädel und stehe da drüber, aber trotzdem schränkt es einen ein. 6%dokidoki gibt Mut die Grenzen zu durchbrechen und einfach Spaß am Leben zu haben. Letzteres ist ein wesentlicher Aspekt meines Schmucks und meiner Accessoires. Sie sollen den Blick auf die kleinen Dinge lenken und so Licht ins Alltagsgrau bringen. Die konstante und konsequente Umsetzung dieses Auftrags beeindruckt mich bei 6%dokidoki sehr. Ich freue mich, wenn ich endlich meinen Shop wieder öffnen kann und so meine Botschaft in die deutsche Bevölkerung tragen kann. 6%dokidoki hat mir Mut gegeben dies mit aller Energie und Kraft zu tun. Danke! Danke auch an Melissa, ohne die ich den Laden nie gefunden hätte!!!

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Mademoiselle Opossum aka Melissa Lee ist eine junge Modedesignerin aus Berlin, deren Mode stark durch Japan beeinflusst wird. Schaut euch ihre tollen Kreationen selbst an!